Ein haariges Problem:

Die besten Mittel gegen Haarausfall

Haarverlust Frauen

Teilweises oder komplettes Fehlen von Haupthaar ist gerade bei Frauen besonders tabuisiert.

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Haarverlust Frauen

Teilweises oder komplettes Fehlen von Haupthaar ist gerade bei Frauen besonders tabuisiert.

Geheimratsecken, kahle Stellen oder dünnes Haar: Laut Statistik ist jede zweite Person von Haarverlust betroffen. Dabei sind die Ursachen vielfältig und unterschiedlich – so wie die Behandlungsmethoden auch. Sie zeigen: Übermäßiger Verlust eigenen Haupthaares ist für Betroffene schmerzlich, muss aber kein unwiderrufliches Schicksal bedeuten, wie der aktuelle Stand der Forschung zeigt.


Genetik als häufigste Ursache für Haarausfall
 
Haare genießen in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Etwa 100.000 davon hat jeder auf dem Kopf - normalerweise. Viele Menschen definieren sich über die passende Frisur und Haarqualität sowie ausreichende Haardichte, gerade in jüngeren Jahren.
 
War Haarverlust noch vor rund 50 Jahren ein Randthema, so ist es heute zum Volksproblem geworden, über das gerne der Mantel des Schweigens ausgebreitet wird. Den eigenen Haarverlust zu thematisieren und sich Spezialisten anzuvertrauen, ist vielen unangenehm.
 
Vielfach wird kräftiger Haarwuchs mit positiven Attributen wie Stärke, Vitalität, Attraktivität oder auch Potenz assoziiert. Teilweises oder komplettes Fehlen von Haupthaar ist gerade bei Frauen besonders tabuisiert und wird in Unkenntnis oftmals als Folgeerscheinung mangelnder oder schlechter Ernährungsweise fehlinterpretiert.

Zwar sind die Ursachen für Haarverlust vielfältiger Natur. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Störungen besonders bei Frauen meist erblich bedingt sind. Laut Statistik neigt etwa jede zweite Frau dazu. Bei Männern leidet jeder vierte 20-jährige Mann unter erblich bedingtem Haarausfall. Und ab 30 Jahren sind es schon drei von vier Männern. Circa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung nehmen regelmäßig rezeptfreie Produkte gegen Haarprobleme und Haarausfall.
 
Fragwürdige Behandlung mit Hormonen
 
Dabei sind die am einfachsten zu erwerbenden Mittel gegen Haarausfall hormonell wirkende Arzneistoffe wie rezeptpflichtige Minoxidil-Lösungen, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Die Ergebnisse sind jedoch umstritten: Dichteres Haarwachstum stellte sich nach Anwendungen kaum bis gar nicht ein. Nur rund die Hälfte aller befragten Testpersonen in Studien gab an, dass sich der Haarausfall unter Anwendung von Minoxidil zumindest verlangsamt hatte.
 
Auch bleibt die Wirkung aus, sobald die empfohlene tägliche Anwendung von Minoxidil abgebrochen wird. Ursprünglich war Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt worden. Forscher hatten in Tests festgestellt, dass als häufige Nebenwirkung des Medikaments eine Verlangsamung des Haarausfalls auftrat. Ähnliches Schicksal ereilte auch der Wirkstoff Finasterid, der ebenfalls eher zufällig in den 90er Jahren entdeckt wurde. Eigentlich war der Arzneistoff zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung entwickelt worden.
 
Der Hintergrund: Während ihrer Wachstumsphase reagieren Haarfollikel besonders empfindlich auf das männliche Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT), das maßgeblich zu ihrem Absterben beiträgt. Das haarschädliche DHT entsteht aus der Umwandlung von Testosteron durch ein Enzym. Finasterid ist in der Lage, das Enzym zu hemmen. Dadurch sinkt der DHT-Gehalt in der Kopfhaut. Aktive Haarfollikel können sich wieder ungestört entwickeln und bleiben aktiv.
 
Aber auch bei Finasterid gilt: Die Wirkung hält nur an, solange das Präparat eingenommen wird. Und auch nur diejenigen Haarfollikel können vor dem Absterben bewahrt werden, die noch ausreichend aktiv sind. Auch wird die Wirkung erst nach etwa drei Monaten sichtbar, weshalb für eine effektive Behandlung das Medikament mindestens sechs Monate eingenommen werden muss.
 
Forscher des medizinischen Instituts der Universität von Boston (BUSM) dokumentierten in Zusammenarbeit mit Kollegen der Lahey Klinik aus Dänemark und Deutschland, dass die jahrelange Gabe von Finasterid einen nicht unbeträchtlichen, schwer abzuschätzenden Eingriff in den Hormonhaushalt darstellt. So verursachen Finasterid-haltige Präparate bei einigen Männern nicht unerhebliche Nebenwirkungen wie Libido-Schwäche, Ejakulationsstörungen, Impotenz, das Wachstum von "Männerbrüsten" und Depressionen.
 
Ein weiterer Nachteil des als Bestandteil von Propecia bekannt gewordenen Wirkstoffs besteht darin, dass die Substanz bei Schwangeren zu Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane männlicher Föten führt und bei Frauen vor der Menopause streng indiziert ist. Selbst Männer dürfen zur Vermeidung von Fehlbildungen während der Einnahme kein Blut spenden.
 
Bei dem rezeptfreien Minoxidil ist sich die Forschung hinsichtlich der exakten Wirkungsweise nicht im Klaren. Fakt ist, dass das als Schaum oder zwei- und fünfprozentige Lösung erhältliche Antihypertonikum äußerlich angewendet in den Fällen wirkt, in denen der Haarfollikel bereits geschwächt ist.
 
Auch Minoxidil ist in Verruf geraten. So stehen die in ihr enthaltenen Substanzen im Verdacht, für Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen verantwortlich zu sein.
 
Und für beide Wirkstoffe gilt: Was verloren ist, ist verloren. Die Substanzen können lediglich den Prozess des Haarverlustes verlangsamen, aber kein fehlendes Haar zurückbringen.
 
Enzym-Hemmer gegen Haarausfall
 
Zu einem weiteren Therapieansatz haben jüngste Enzymforschungen von Prof. Angela Christiano von der Columbia-Universität New York geführt. Ihre Untersuchungen haben zur Entdeckung eines Schlüssel-Enzyms geführt, das sich in der Zukunft gleichsam als erfolgversprechend erweisen könnte. Sie spielen im Kampf gegen die sogenannten "Januskinasen" (JAK) eine große Rolle. Jene hemmen das Haarwachstum und versetzen die Follikel auch am Ende des Lebenszyklus im Haarwachstum in eine Ruhephase.
 
In Laborversuchen an Mäusen konnte die Forscherin mit Hilfe der Schlüssel-Enzyme Tofacitinib und Ruxolitinib nachweisen, dass ihr Einsatz die Bildung des JAK-Enzyms hemmen konnte. Dadurch bildeten die Follikel wieder neue Haare, die sogar dicker und dunkler als ihre Vorgänger waren. Eine Übertragung der Versuchsanordnung auf menschliches Haar mit ersten Resultaten steht jedoch aktuell noch aus.
 
Baustein aus der Natur – Thiocyanat
 
Von vielen Betroffenen ist in den letzten Monaten die Wiederentdeckung des natürlichen, körpereigenen Bausteins Thiocyanats als neuer Hoffnungsträger im Kampf für gesunde Haare mit Spannung und Begeisterung verfolgt worden.
 
Das Salz, das beispielsweise auch im menschlichen Speichel enthalten ist, war vor rund 30 Jahren eher zufällig entdeckt worden. In Laborversuchen an Mäusen war nach Mitteln geforscht worden, welche die bei Krebstherapien auftretenden Nebenwirkungen lindern könnten.
 
Dabei konnte der Nachweis erbracht werden, dass diejenigen Tiere, die den Wirkstoff erhielten, nicht nur weniger toxische Nebenwirkungen aufwiesen. Auch verloren sie im Gegensatz zu einer unbehandelten Kontrollgruppe nach den Zytostatika-Gaben zur Überraschung der Forscher keine Haare.
 
Nach umfangreicher Studien- und Erprobungsphase –der Umfang einer kahlen Stelle eines Probanden war innerhalb von zwölf Wochen deutlich geschrumpft, die Haare auch dunkler nachgewachsen als vorher - konnte die mit hochmodernen Wirkstoffen angereicherte Tinktur im Herbst 2016 in Serienproduktion gehen.
 
Als natürlicher Baustein hat Thiocyanat keine unerwünschten Nebenwirkungen. Weitere Tests ergaben, dass die Substanz bei lokaler Anwendung gereizte Haut wie etwa bei Neurodermitis beruhigt und darüber hinaus die Wundheilung fördert.
 
Letzter Ausweg: Plastische Chirurgie
 
Die plastische Chirurgie gehört mit Sicherheit zu den effektivsten Maßnahmen gegen Haarausfall. Neben einer Reduktion der Kopfhaut und der sogenannten Flap-Operation (Aufbau von Eigengewebe) gehört eine Haartransplantation zu den drei häufigsten Optionen eines chirurgischen Eingriffs.
 
Eine Transplantation eignet sich am besten bei partiellem Haarausfall an der Oberseite des Kopfes. Die Technik hierbei beinhaltet, Haare vom Hinterkopf zu entnehmen und sie an den zu behandelnden Stellen wiedereinzusetzen. Allerdings ist nicht jeder für die Methode geeignet. Faktoren wie Alter, Haarstruktur, aber auch Ursache des Haarausfalls spielen im Vorfeld bei der Beurteilung eine wesentliche Rolle.
 
Es empfiehlt sich grundsätzlich, vor einer teuren Haartransplantation erst einen Dermatologen oder noch besser, einen auf Haarerkrankungen und Haartransplantationen spezialisierten Arzt aufzusuchen, um Ursachenforschung zu betreiben und eine Diagnose zu erstellen. Denn nur eine ganzheitliche Anamnese kann Grundlage zielgerichteter Therapie sein, um die Ursachen für Haarausfall stoppen zu können und eine entsprechende fachkompetente Planung der Haartransplantation zu gewährleisten.
 
Die aktuell modernste Art der Haarverpflanzung ist die sogenannte "I-FUE-Methode" ("Intermittent Follicle Unit Extraction"). Sie ist dabei auch das schonendste Verfahren, da der Transplantationsvorgang schnitt- und narbenfrei verläuft.
 
Spenderhaare werden einzeln mittels einer mikrofeinen Hohlnadel entnommen. Der Begriff "intermittent" deutet auf den Umstand hin, dass die Transplantate mehrfach für einen kurzen Zeitraum jeweils entnommen, zwischengelagert und wiedereingesetzt werden. Das garantiert kurze Lagerungszeiten der Transplantate außerhalb des Körpers und resultiert in einem schnelleren Einheilen und höherer Anwuchs-Rate der Transplantate.
 
Veraltete Methoden der Haartransplantation, wie die Streifenmethode oder FUT-Methode sollten nur bei besonderen Indikationen angewendet werden! Ähnlich ist es mit der Kopfhaut-Reduktion.

Bei einer Kopfhaut-Reduktion entfernt der Chirurg die kahle und haarlose Kopfhaut an der betroffenen Stelle und dehnt das follikelreiche Kopfhaut-Gewebe um die Partie herum. Allerdings breitet sich der Haarausfall nach gewisser Zeit auf andere Stellen aus, was erneute Eingriffe in Ein- bis Zweijahres-Intervallen notwendig macht. Bei der Flap-Operation wird eine gesunde Partie Kopfhaut über eine kleine erkrankte Stelle 'geklappt'.
 
 

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