Tales of Berseria im Test

Japano-Prügler mit düsterem Flair erobert Europa

Tales of Berseria-Thumb

(© Namco)

In Japan ist die Serie bereits seit 1995 ein Dauerbrenner bei Anime- und Gaming-Fans, jetzt erreicht der neueste Teil auch Europa: Ein halbes Jahr nach Erscheinen können heimische Zocker mit "Tales of Berseria" in ein düsteres Japano-Epos eintauchen. Vorkenntnisse sind dazu nicht nötig.

Bunte Comic-Grafik und Dialoge wie aus einem zuckersüßen Anime: In den ersten Minuten wirkt "Tales of Berseria" wie ein Spiel aus der "Girlie"-Schublade. Aber der Eindruck täuscht. Der bereits 16. Teil der Serie wird nach einigen Stunden deutlich düsterer und erwachsener als seine Vorgänger. Die Heldin des Spiels, Velvet Crowe, kommt nach drei Jahren in einem Kerker nämlich ohne Skrupel, dafür aber mit unstillbarem Rachedurst und einer Abneigung gegen züchtige Kleidung ans Tageslicht.

Aber zurück an den Start: Velvet lebt verlebt mit ihrem jüngeren Bruder idyllische Tage in einem Dörfchen am Land. Bis in einer Vollmondnacht ein Exorzist das Bürschchen opfert und die Bewohner der Welt versklavt. Velvet fällt bei einem Rettungsversuch in die Tiefe und verliert ihren Arm. Sie wird in den Kerker geworfen, wo sie Rache schwört ihre neue Dämonenhand mit den Seelen anderer Gefangener füttert.
Ein Käfig voller Anti-Helden
Drei Jahre später gelingt die Befreiung und Velvet bläst zum Rachefeldzug. Dazu ist ihr fast jedes Mittel recht - sie ist brutal und gewalttätig, droht ihren Mitmenschen und versammelt eine Bande an kriminellen Außenseitern um sich. Gut: Trotzdem bleiben Velvet und ihre Mitstreiter sympathisch, ihre Motivationen werden erklärt, ihre Entscheidungen sind nachvollziehbar.

Stößt die Bande auf Widerstand, wird ordentlich geprügelt. In der Kampfansicht, die an rundenbasierte Rollenspiele erinnert, gehen Gegner und Mitstreiter in  Echtzeit aufeinander los. Vor dem Kampf ausgewählte Kombos löst Ihr wie in einem Prügelspiel wie Tekken aus, zwischen den Charakteren kann jederzeit gewechselt werden. Die KI macht einen guten Job und steuert in der Zwischenzeit die anderen nach Euren Vorgaben. Nach einer Eingewöhnungsphase geht das flott von der Hand und spielt sich anspruchsvoll, aber wird nie unfair. Auch die Charakterentwicklung bleibt stets nachvollziehbar und wirkt sich auf das Gameplay spürbar aus.
Spieletests Tests Gameon

Schwächen bei Grafik und Levels
Auf ganzer Linie kann "Tales of Berseria" aber nicht überzeugen. Einerseits sind die Charaktermodelle in Kämpfen und den zahlreich vorhandenen Zwischensequenzen schön anzusehen und auch die Animationen passen. Aber die Umgebungen erinnern mit matschigen Texturen und wenigen Details aber an Playstation 2-Zeiten. Auch die schlauchartigen Levels, die keine Entdeckungsfreiheit lassen, wirken spielerisch altmodisch.

Wir hatten beim Testen von "Tales of Berseria" trotzdem Spaß. Wer sich auf den Titel und seine Eigenheiten einlässt, wird belohnt. Die Geschichte kommt langsam in Fahrt und das Erzähltempo ist niedrig, aber Velvet und ihre Kameraden wachsen einem ans Herz und die Saga bietet einige Wendungen, die immer wieder für Spannung sorgen. Wer sich für Story-getriebene Spiele abseits der Call of Duty-Fraktion interessiert, sollte "Tales of Berseria" eine Chance geben. Fans von Japano-Rollenspiele haben den Titel sowieso schon längst auf der Wunschliste.

Tales of Berseria

Tales of Berseria
Tales of Berseria
"Tales of Berseria" ist für PlayStation 4, PlayStation 3 und Windows erhältlich.

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