Flavius Daniliuc

ÖFB-Star: "Vidal hat mich bei Bayern runtergeputzt"

ÖFB-Jungstar Daniliuc im "Heute"-Talk über seine Zeiten bei Real, Bayern – und warum Salzburg kein Rückschritt ist.

Sport Heute
ÖFB-Star: "Vidal hat mich bei Bayern runtergeputzt"
Muskelprotz Flavius Daniliuc
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Flavius Daniliuc kam im Sommer von Salernitana zu Salzburg. Zuvor kickte der 22-jährige Abwehr-Hüne bei Nizza, Bayern und Real Madrid. Was er dort gelernt hat, erzählt er "Heute" in Marbella.

"Heute": Flavius Daniliuc, Sie sind in diesem Sommer nach Salzburg gewechselt. Zuvor waren Sie beim italienischen Erstligisten Salernitana in einer europäischen Top-Liga Stammspieler. Was sagen Sie Leuten, die Ihre Rückkehr nach Österreich als Rückschritt sehen?

Flavius Daniliuc: "Denen widerspreche ich und sage ihnen auch, dass das ziemlich respektlos gegenüber Red Bull Salzburg ist. Natürlich ist die Serie A ein Vielfaches größer als die österreichische Bundesliga. Die Serie A hat medial eine höhere Aufmerksamkeit, mehr Zuschauer, da spielen mehr Stars. Aber das ist doch nicht das entscheidende Kriterium, wonach ich Karriere-Schritte auswähle. Ich bin doch noch kein fertiger Spieler."

"Heute" fragt nach: Gespräche mit den Sport-Stars

Sie haben für Nizza und Salernitana in der höchsten Spielklasse in Frankreich und Italien 97 Spiele absolviert.

"Genau. Aber damit habe ich ja noch lange nicht ausgelernt. Wissen Sie: ich saß im Sommer 2020 mit meinen Eltern und meinem Beraterteam im Andaz, einem Münchner Hotel. Wir hatten ein Angebot von Bayern München vorliegen und haben besprochen, wie es weitergeht. Nach Ihrer Logik, also wenn es um die reine Größe der Verein geht, hätten wir ja bei Bayern München bleiben müssen. Aber so haben wir nie gedacht. Mein Berater Sascha hat irgendwann einen Zettel auf den Tisch gelegt und fett zwei Worte draufgeschrieben: Spielzeit und Entwicklung. Darum ging es hauptsächlich bei jedem bisherigen Schritt."

Dann lassen Sie uns mal die Stationen durchgehen. Und was Sie jeweils gelernt haben. Sie waren früh bei Real Madrid.

"Meine erste große Liebe (lacht). Von der Ausbildung profitiere ich noch heute. Die Akribie und Ernsthaftigkeit, mit der dort von klein aufgearbeitet wurde, hat mir richtig gutgetan. Aus Madrid habe ich zwei entscheidende Dinge mitgenommen: zum einem Basis-Dinge wie eine gute Passgenauigkeit. Das wurde uns eingetrichtert. Taktisch war jede Übung auf dem allerhöchsten Niveau. Die Ausbildung war einfach königlich. Und ganz nebenbei hat man schon als Knirps erfahren, was es heißt, für diesen Verein aufzutreten. Respekt und Fairplay waren wichtige Werte. Aber vor allem wurde uns der absolute Siegeswille vermittelt. Als Real Madrid verliert man nicht."

Schlosshotel Berlin – das EM-Quartier des ÖFB

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    Das Selbstverständnis hat auch der FC Bayern München.

    "Absolut. Irgendjemand, ich weiß leider nicht mehr, wer, hat mir mal während meiner Zeit bei Bayern gesagt: 'Gewinner tun sehr viel, um Dinge zu bewegen. Verlierer tun sehr viel, um Dinge zu vermeiden.' So was ist hängen geblieben – und ich habe es auch versucht zu verinnerlichen. Als Bayern-Spieler gibt man ebenfalls niemals auf. Und Rückschläge werden immer als Herausforderung angesehen. Ich weiß noch, wie ich einmal von Arturo Vidal runtergeputzt worden bin. Es war in einer meiner ersten Trainingseinheiten mit den Profis, da hat er mich gesehen und meinte zu irgendeinem Spieler auf Spanisch: 'Hat der Kindergarten Ausflug.' Dann hat er gelacht. Er wusste nicht, dass ich es verstehe. Aber es war okay, dass er so dachte. Das war ebenso eine Herausforderung, der ich mich stellen musste. Ich durfte eben nicht anfangen drüber nachzudenken und mir einzureden, wie gemein er ist, sondern stark bleiben und mir sagen: 'Du wirst schon sehen, was der Kindergartenjunge kann. Dir zeig ich es.' Das muss man aushalten können, wenn man bei solchen Mannschaften spielen darf."

    Stimmt es eigentlich, dass Sie mal einen Arschtritt von Hermann Gerland, dem Entdecker von Thomas Müller und David Alaba, bekommen haben?

    "Den Abdruck sieht man heute noch (lacht). Nur Spaß. Es war ein verbaler Arschtritt. Es gab mal eine kurze Phase, wo ich ein klein bisschen weniger gemacht habe. Ich dachte: 90 Prozent reichen doch. Ich war mit der Realschule fertig, habe es genossen, ein paar Minuten liegenzubleiben, obwohl der Wecker klingelte. Das war nicht Bayern-like. Das haben auch die Verantwortlichen mitbekommen und mir den Kopf kollektiv gewaschen: Hermann Gerland, Sebastian Hoeneß und Jochen Sauer gemeinsam. Der Herr Gerland meinte damals: 'Du musst härter werden. Normalerweise muss jeder Gegner, der gegen dich antritt, denken: ‚Ich spiele heute gegen Flavius. An dem komme ich nicht vorbei. Der Kerl blecht mich weg.'‘ Ich müsse, meinte Herr Gerland, 'Angst und Schrecken verbreiten'. Er wolle keine Treterei und keine roten Karten. Aber ich müsse meine Gegner mit allen Mitteln bekämpfen. Und da müsse ich gewaltig zulegen. Gerland sagte wörtlich: 'Flavi, verbreite Angst. Heute besser als gestern. Morgen besser als heute. So einfach ist das. Sei konstant der Beste!' Das war auch eine ganz wichtige Lektion."

    Trotzdem sind Sie nicht bei Bayern geblieben, sondern nach Nizza gegangen.

    "Wie gesagt: es ging um die Spielzeit. Bei Bayern wären fünf Innenverteidiger vor mir gewesen. In Nizza haben wir größere Chancen gesehen, regelmäßig zum Einsatz zu kommen. Und so kam es auch."

    Auch weil sich Dante, ein früherer Bayern-Profi und ihr Konkurrent, schwer verletzt hat.

    "Das stimmt. Er war ein ganz wichtiger Förderer von mir. Er musste sich auch als Kind alles erarbeiten. War immer fleißig. Er hat mir erzählt, wie er als Kind täglich 45 Minuten zu Fuß zur Schule laufen musste, weil er kein Geld für den Bus hatte. Einmal ist er dabei von einem Auto angefahren und verletzt worden. Wenn man so was hört, zeigt das, wie viel man für seinen Traum investieren muss – und wie hart man gegen Rückschläge ankämpfen muss. Dante hat sich durch nichts aufhalten lassen. Als er ausfiel, sagte er zu mir: 'Jetzt bist Du dran, Flavi. Du bist bereit. Du machst das.' So ein Zuspruch hilft einem jungen Spieler natürlich."

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      Gab es bei Salernitana auch einen entsprechenden Förderer?

      "Keinen Förderer in dem Sinne. Dort stand Guillermo Ochoa im Tor. Der hat bei fünf Weltmeisterschaften für Mexiko gespielt – und zahlreiche Weltstars zur Verzweiflung gebracht, egal ob es Neymar oder Robert Lewandowski war. Mit ihm habe ich länger gesprochen und ihn gelöchert, wie er mit dem Druck bei großen Turnieren umgeht. Er meinte: 'Das ist kein Druck. Diesen Wochen muss man genießen. Es gibt nichts Schöneres als gegen die Besten der Besten antreten zu dürfen.' Das ist auch ein cooler Rat."

      Wo ist denn der größte Unterschied zwischen dem französischen und italienischen Fußball?

      "In Italien ist der Fußball taktisch viel versierter als in Frankreich. In der Serie A verteidigt man nicht nur gegen seinen direkten Gegenspieler, man verteidigt gegen ganze Ketten. Der Fußball ist taktisch anspruchsvoller. In Frankreich entscheidet oft der klasse Einzelspieler."

      Nun haben Sie sich für Red Bull Salzburg entschieden. Die kleinere Liga. Und Sie behaupten, es sei kein Rückschritt.

      "Ich sage sogar, dass es ein Schritt nach vorne ist. Die Ambitionen dieses Klubs sind unglaublich hoch. Die sind nicht anders, als es bei Real Madrid oder bei Bayern verkörpert wird. Wissen Sie, was das Herausragende bei Salzburg ist. Es wird nie gejammert. Salzburg verliert Naby Keïta und fördert den nächsten. Sie ermöglichen Sadio Mané den nächsten Schritt und machen weiter. Sie kompensieren Abgänge von Karim Adeyemi, Dominik Szoboszlai, Nicolas Seiwald oder Erling Haaland. Salzburg macht jeden Spieler besser. Und genau das ist auch der Grund, warum ich die Möglichkeit angenommen habe. Die Gespräche mit Stephan Reiter und Bernhard Seonbuchner waren wirklich nachhaltig gut. Ich habe hier alles, um besser zu werden. Deshalb habe ich Ihnen anfangs auch so vehement widersprochen, wie Sie Salzburg eingeordnet haben."

      Hat Ralf Rangnick auch eine Rolle bei Ihrem Wechsel gespielt?

      "Ich habe ihn natürlich auch vorab angerufen und um seinen Rat gebeten. Aber nicht in seiner Rolle als österreichischer Nationaltrainer, sondern weil er ein herausragender Trainer über Jahrzehnte war und ist und mir seine Meinung als solcher natürlich auch wichtig ist."

      Apropos EM: Österreich spielt in einer Hammergruppe mit Frankreich und Holland. Ist da ein Weiterkommen überhaupt möglich?

      "Ich bin kein Freund davon, lautstarke Ankündigungen zu machen. Wir haben die Aufgabe, uns in jedem Spiel zu zerreißen. Das werden wir tun. Der Rest ergibt sich dann."

      Live aus Marbella: Wolfgang Ruiner

      red
      Akt.
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